Odenwälder Echo vom 12.06.2010
Zehn Meter hoher Nachbau eines römischen Wachturms
Tourismusförderung: Ein Turm-Nachbau soll Zeugnis der Geschichte attraktiver machen

Vielbrunn. Die Bemühungen des Odenwaldkreises und seiner Kommunen, die durch ihr Gebiet verlaufende Limes-Variante historisch besser begreifbar und touristisch stärker nutzbar zu machen, haben am Freitag einen neuen Höhepunkt erreicht - und das im wörtlichen Sinne. Denn beim Stadtteil Vielbrunn haben Zimmerleute des Reichelsheimer Holzbauunternehmens Lode einen mehr als zehn Meter hohen Nachbau jener Wachtürme errichtet, die sich in Sichtabstand entlang der antiken Grenze aufreihten und den Römern so deren Überwachung ermöglichten. Originalgetreue Optik und zeitgemäße Standfestigkeit soll er aus dem Mitwirken weiterer Handwerker anderer Fachbetriebe beziehen, die entweder Vorarbeit geleistet haben oder letzte Hand anlegen werden.
Umgesetzt wird mit dem Turmbau ein Projekt der Stadt Michelstadt, die für diese Erweiterung der Serie ihrer Sehenswürdigkeiten knapp 200 000 Euro in die Hand nimmt. Finanzieren lässt sich diese Summe für den klammen Kommunalhaushalt dank der Förderung durch den Kreis, den Verein Museumsstraße Bergstraße/Odenwald, private Sponsoren, vor allem aber mit Hilfe von Mitteln der Europäischen Union: Von der geht eine namhaften Bezuschussung über das Strukturhilfeprogramm Efre aus.
Anerkannt wird damit auch die besondere Förderfähigkeit Vielbrunns, das einerseits als ehemalige Feriengemeinde unter dem Niedergang des klassischen Odenwaldurlaubs gelitten hat, andererseits aber voller Innovations- und Leistungsbereitschaft für eine Neupositionierung steckt. Auch die Bürger selbst erkennen dem Limes dabei eine Schlüsselposition zu, wie die Bildung einer Arbeitsgruppe zur Präsentation der Bodendenkmale ebenso zeigt wie das Engagement des heimischen Lebensmittel-Handwerks, das auf das Thema Römer zugeschnittene Produkte kreiert.
Dieser eher folkloristische Unterbau einerseits und die verständliche wissenschaftliche Aufbereitung der Limes-Relikte andererseits sollen ein Gesamtbild schaffen, das Gäste aus nah und fern zur Reise an den römischen Grenzwall animiert. ,,Insofern hatten auch weder die Denkmalpflege noch andere historische Kapazitäten Einwände gegen die Idee, einen Wachturm nachzubauen", betont Reimund Bechtold vom Fachressort des Kreisbauamts, bei dem die Fäden für die Limes-Überarbeitung zusammenlaufen, mit der binnen sechs Jahren eine Million Euro in Sicherung und Darstellung der römischen Altertümer gesteckt werden.
,,Vielmehr ist es ja voll und ganz im Sinne der Historiker, wenn sich die Menschen verstärkt für Altertümer und die dahinter steckende Geschichte interessieren", unterstreicht Bechtold. ,,Und eine solche Aufmerksamkeit ist eben mit plastischen Darstellungsformen wie dem Nachbau bei Vielbrunn am besten zu erreichen." Im Übrigen wird dieser nach Angaben des Denkmalpflege-Fachmanns im Einklang mit dem wissenschaftlichen und archäologischen Anspruch stehen: In unmittelbarer Nachbarschaft des Standorts eines tatsächlichen früheren Turms gelegen, soll er dessen Aussehen und Funktion anschaulich zu machen, ohne die Überbleibsel im Boden zu überbauen oder zu stören.
Den Römern nachgemacht haben es am Freitag Odenwälder Zimmerleute. Denn die Handwerker richteten auf dem Hochplateau beim Michelstädter Stadtteil Vielbrunn einen Holzturm auf, der jenen Wachbauten nachempfunden ist, die einst den Odenwaldlimes sicherten. Die Stadt Michelstadt als Auftraggeber will mit der Konstruktion die Geschichte der römischen Grenze in ihrer Gemarkung und die davon zeugenden Relikte anschaulicher machen – auch im Sinne einer höheren touristischen Anziehungskraft. Foto: Guido Schiek
Die nötigen Erklärungen werden dabei vier jener großformatigen Tafeln vermitteln, wie sie in den vergangenen Monaten in einem weiteren Bestandteil der Limes-Initiative an vielen Stellen der alten Grenzlinie aufgestellt worden sind, die noch sichtbare Spuren ihrer Bauten aufweisen. An die ständige Beschickung des Turms mit Personal, eventuell in Verbindung mit einem Kiosk, ist nicht gedacht. ,,Was sich aber sicher entwickeln wird, ist die zunehmende Frequentierung des Standorts durch Gästeführer, die entsprechende Exkursionen ausschreiben", gibt sich Bechtold optimistisch.
Gerade vor diesem Hintergrund misst er der Erschließung des Turms besondere Bedeutung bei, was den Anteil der Ausgaben dafür am Gesamtaufwand rechtfertige: Rund ein Viertel der Kosten verursachen der Bau eines Parkplatzes und weiterer Infrastruktur-Einrichtungen.
Besichtigung
Der Wachturm-Nachbau bei Vielbrunn ist seit Freitag aufgerichtet und kann ohne weiteres von außen besichtigt werden. Er steht an der Straße zwischen Eulbach und Breitenbrunn, und zwar unweit der Kreuzung mit der Strecke Kimbach -Vielbrunn in Nachbarschaft zum Segelflugplatz. Hinzunehmen sind vorerst noch das Fehlen der Herausarbeitung von Details zur Nachahmung des Originals, der Innenkonstruktion und der Erläuterungstafeln. Wenn im Laufe des Jahres alles fertiggestellt ist, soll der Nutzen des Turms über die Möglichkeit hinausgehen, ihn sich nach Belieben von außen anzusehen und dabei die Beschreibungen zu studieren: Zumindest an Wochenenden, auf vorherige Schlüsselnachfrage aber vielleicht auch werktags, soll das Turminnere zugänglich und damit auch die Krone besteigbar sein. ,,Der Turm bietet über anschauliche Geschichtskunde hinaus dank seines Aufragens vom Hochplateau vor allem auch eine einmalige Aussicht über den Odenwald", schwärmt Raimund Bechtold.
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31.05.2010
Die Römer im Odenwald auf dem Vormarsch
Odenwaldlimes auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe
Rund zwei Monate ist es her, dass Archäologen im Rahmen eines wissenschaftlichen Kolloquiums in Michelstadt und einer Exkursion entlang des Odenwaldlimes ihre neuesten Forschungsergebnisse präsentiert haben. Für die Regionalentwicklung im Odenwald war die Veranstaltung der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) und der Hessischen Landesarchäologie weitaus mehr als ein Etappensieg. Die Diskussion über eine Antragstellung für die Aufnahme des Odenwaldlimes als UNESCO – Weltkulturerbe flammte nicht nur wieder auf, sondern die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Frau Eva Kühne Hörrmann, beauftrage den hessischen Landesarchäologen noch während der Veranstaltung, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um jetzt den Odenwaldlimes zum UNESCO – Weltkulturerbe zu führen. Seither ist das ohnehin schon vorhandene Interesse am ehemaligen römischen Grenzwall bei den Menschen der Region noch stärker geworden. Es wurde auch klar, dass der Odenwaldlimes bereits eine wachsende touristische Anziehungskraft entfaltet und bei weiteren Ausbaustufen zu einem echten Wirtschaftsfaktor werden könnte.
Wichtigste Grundlage für die Anerkennung des Odenwaldlimes als Weltkulturerbe ist die Erarbeitung eines qualifizierten Limesentwicklungsplanes. Dieser „Managementplan“, wird gegenwärtig mit Unterstützung europäischer Fördermittel aus dem Leader-Programm aufgestellt. Er zielt darauf ab, für die Bewahrung und touristische Nutzung des Odenwaldlimes dieselben Grundlagen zu schaffen, wie es der UNESCO-zertifizierte Obergermanisch-Raetische Limes bereits hat. Für den bayerischen und baden-württembergischen Teil des Odenwaldlimes werden zurzeit ebenfalls Entwicklungspläne erarbeitet, die länderübergreifend abgestimmt werden.
Zur Bündelung der Aktivitäten entlang des Odenwaldlimes, hat die IGO kürzlich eine Arbeitsgruppe mit dem Titel „Odenwaldlimes“ ins Leben gerufen, die sich aus Experten der Bereiche Archäologie, Denkmalschutz, Tourismus und EU-Förderung zusammen setzt. Diese Arbeitsgruppe hat die Aufgabe, die Erstellung des Limesentwicklungsplanes und sämtliche Einzelprojekte am Odenwaldlimes fachlich zu begleiten und die Maßnahmen zur Beantragung als Weltkulturerbe ebenfalls länderübergreifend zu koordinieren.
Weitere Projekte, die aktuell von der neu eingerichteten AG abgestimmt werden, sind z.B. die Errichtung eines „Archäologischen Parks“ im „Lützelbacher Bannholz“ und die Rekonstruktion eines römischen Holzwachturmes in der Nähe des Segelflugplatzes bei Vielbrunn.
Kontakt:
Interessengemeinschaft Odenwald e.V. (IGO)
Marktplatz 1
64711 Erbach
Tel.: 06062-809610
Fax: 06062-809616
Mail: igo@oreg.de
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22.03.2010
Odenwaldlimes-Kolloquium mit ca. 400 Teilnehmern
Vom 19. bis 20. März fanden in Michelstadt im Odenwald ein wissenschaftliches Kolloquium und eine Exkursion zu den neuesten Forschungsergebnissen des Hinteren Odenwaldlimes statt. Veranstaltet wurde das Kolloquium, das mit ca. 400 Teilnehmern eine überwältigende Resonanz fand, von der Interessengemeinschaft Odenwald e. V. (IGO) und der Hessischen Landesarchäologie.
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In seiner Begrüßung dankte der IGO Vorsitzende und Landrat a. D. Horst Schnur der hessenARCHÄOLOGIE und den Organisatoren der
IGO für die großartige Zusammenarbeit bei den umfangreichen Vorbereitungen der beiden Tage. Regionalentwicklung sei das zentrale Element der IGO und die in Michelstadt stattfindende wissenschaftliche Tagung eine fundamentale Veranstaltung für die Regionalentwicklung. Schnur erläuterte die seitens der IGO bislang unterstützten Maßnahmen am Odenwaldlimes, wie z. B. die Beschilderung mit Informationstafeln, deren Ständer von Jugendlichen des Keilvelterhofes erstellt wurden. Hier verbinde sich kulturelle mit praktischer Sozialarbeit. Als eines der besonderen Projekte im Zusammenhang mit der weiteren Erschließung des Bodendenkmals hob Schnur den geplanten Limesradweg entlang der gesamten Strecke hervor, dessen Kosten sich auf ca. zwei Millionen Euro beliefen.
In ihrem Grußwort dankte die Hessische Ministerin für Wissenschaft
und Kunst Eva Kühne-Hörmann zunächst allen Beteiligten, die sich mit großem Engagement seit Jahren für die Belange des Odenwaldlimes einsetzen.
Besonders erfreut zeigte sich die Ministerin über die Anwesenheit der 12. Klasse Leistungskurs Geschichte des Michelstädter Gymnasiums,
die mit ihrem Lehrer Karl-Heinz Newiadomsky an der Tagung teilnahmen. Prof. Schallmayer sorge mit seiner Arbeit dafür, dass die hessenARCHÄOLOGIE als außerschulischer Lernort fest verankert sei.
So werde auf besondere Weise das Interesse der jungen Menschen
an der Landesgeschichte geweckt, und vielleicht werde damit auch
der Grundstein für künftigen Archäologennachwuchs gelegt.
Es sei bereits viel Geld in die Erhaltung, Erforschung und Vermittlung des Odenwaldlimes geflossen, so Kühne-Hörmann. Dies sei in enger Kooperation der Landkreise, Kommunen und der Archäologischen Denkmalpflege sowie Institutionen wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, zahlreicher Vereine und ehrenamtlicher Mitarbeiter-
innen und -mitarbeiter geschehen. Besonders hervorzuheben sei,
dass sich hier alle zusammengeschlossen hätten und dies länder-
übergreifend zwischen Bayern, Hessen und Baden-Württemberg.
Nach Ansicht der Ministerin sei es wünschenswert wenn auch der Odenwaldlimes wie der Obergermanisch-Raetische Limes Welterbestätte werden würde, vorausgesetzt die Anrainer-
kommunen und die Landkreise befürworten dieses Vorhaben.
Grüße für den Odenwaldkreis und dessen Landrat Dietrich Kübler überbrachte der Erste Kreisbeigeordnete Detlev Blitz. Sein Dank galt den Mitarbeitern der IGO und Landrat a. D. Horst Schnur für ihre von
viel persönlichem Interesse geprägter Initiative, eine solche Tagung in Michelstadt zu etablieren.
Bürgermeister Stefan Kelbert hieß die Teilnehmer in seiner Stadt herzlich willkommen und hob die Bedeutung des Kolloquiums für Michelstadt hervor, denn Dimension des Odenwaldlimes erfahre man erst durch
eine solche Veranstaltung, die nicht nur die Region touristisch nach außen aufwerte, sondern auch zum Selbstbewusstsein einer Kommune nach innen beitrage.
Der Hessische Landesarchäologe Prof. Dr. Egon Schallmayer bedankte sich zunächst bei den Referenten des Tages für ihre Bereitschaft an diesem Tag ihre neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zum Odenwaldlimes vorzustellen. Ein weiterer Dank galt der IGO für die überaus kollegial-freundschaftliche Zusammenarbeit bei den Vorbereitungen der Tagung und Exkursion.
In seiner Einführung zu den Vorträgen des Tages verwies Dr. Sebastian Sommer, Vorsitzender der Deutschen Limeskommission und Landesarchäologe von Bayern, auf die Bedeutung der Schlüsselstellung des Odenwaldlimes für die Limesforschung in Deutschland und die Besonderheit des Bodendenkmals, das an diesem Tag Referenten und Bürgermeister aus drei Bundesländern sowie Teilnehmer aus ganze Deutschland zusammengebrachte habe, um sich über seine Erforschung, Pflege, Erschließung und wie die verschiedenen Schritte finanziert werden können, auszutauschen.
Die anschließenden acht Vorträge:
- Dr. H. Göldner, Zerstörungsfreie Prospektionen am Odenwaldlimes
- Thomas Becker M. A., Überlegungen zur taktischen Gliederung des Odenwaldlimes
- Dr. Jörg Scheuerbrandt, Zur Steinbauphase des Odenwaldlimes – Das Bauprogramm von 145/146 n. Chr.
- Dr. Stephan Bender, Wo endet der Odenwaldlimes am Neckar?
- Dr. Britta Rabold, Neue Erkenntnisse zum mittleren Odenwaldlimes – Der Kastellvicus in Schloßau
- Renate Schiwall M. A., Historische Konservierungsstrategien am Odenwaldlimes
- Siegbert Huther, Rekonstruktion von hölzernen Limeswachttürmen am Beispiel von Vielbrunn und Rainau
- Kornelia Brauer, Der Odenwaldlimes unter touristischen Gesichtspunkten
verdeutlichten die beachtliche Bandbreite der aktuellen Beschäftigung mit der antiken Grenze, die für ein knappes halbes Jahrhundert die Außengrenze des römischen Reiches war.
In seinem Resümee der Vorträge betonte Prof. Dr. Dieter Plank, der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Limeskommission und Präsident des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg a. D., dass die Beiträge die besondere Stellung des Odenwaldlimes sowie seine singulären Befunde und Bauten für die Limesforschung verdeutlicht hätten.
Der heutige Tag habe gezeigt, dass der Odenwaldlimes dem Obergermanisch-Raetischen Limes keinesfalls nachgeordnet sei.
Für die weitere Vorgehensweise sei nun die Fertigstellung des Odenwaldlimesentwicklungsplanes notwendig sowie für die Vermittlung ein zentrales Odenwaldlimesmuseum mit einer überschaubaren musealen Präsentation von Funden wünschenswert.
Im Anschluss an die Vorträge erfolgte durch den Geschäftsführer des Theiss Verlages Volker Hühn die Buchvorstellung des zu diesem Termin erschienenen neu verfassten Grundlagenwerkes „Der Odenwaldlimes – Entlang der römischen Grenze zwischen Main und Neckar“ des Hessischen Landesarchäologen Prof. Schallmayer.
In seinem Festvortrag „Geschichte und neue Forschungen an einem romantischen Bodendenkmal – Der Odenwaldlimes“ nahm Prof. Schallmayer die Zuhörer dann mit auf eine Reise durch die spannende Forschungsgeschichte entlang des antiken Bodendenkmals. Bereits seine Eingangskollage - die Statuengruppe am Wachtposten 10/37 im Schnee und darunter ein Schmetterling am Wegesrand - zeigte, dass ein Besuch der römischen Relikte am Odenwaldlimes zu allen Jahreszeiten von romantischen Impressionen begleitet ist.
Inspiriert von zahlreichen Vorträgen ließen die Teilnehmer schließlich den langen Tag bei einem Empfang der Stadt Michelstadt und des Odenwaldkreises im Schenkenkeller mit Spanferkel und allerlei Leckereien bei Klängen von Flügelmusik und Vorträgen des „Michelstädter Nachwächters“ ausklingen.
Mit 200 Teilnehmern ging es am nächsten Tag auf Exkursion zu ausgewählten Denkmälern am Odenwaldlimes. Jeweils zwei Busse fuhren zunächst nach Norden und nach Süden, um sich dann zur Mittagspause im Kastell Würzberg wieder zu treffen und anschließend in entgegengesetzter Richtung weiterzufahren. Unter der Leitung des Bezirksarchäologen Dr. Holger Göldner, des Limesbeauftragten für den Odenwaldkreis Reimund Bechtold und des Architekten Siegbert Huther wurden im Norden das Numeruskastell Lützelbach, der Wachtposten 10/8 „Im Lützelbacher Bannholz“ und der Standort des künftig rekonstruierten hölzernen Wachtturms am Wachtposten 10/15 aufgesucht.
Die Südroute führte mit den Referenten Prof. Schallmayer und dem Limesbeauftragten von Baden-Württemberg Dr. Stephan Bender zu den Wachtposten 10/37 „In der Schneidershecke“ und 10/30 „In den Vogelbaumhecken“ sowie zum Numeruskastell Hesselbach.
Im Anschluss an das Mittagessen, einem herzhaften Eintopf, das die Sängervereinigung Würzberg organisiert hatte, stellte Walter Weidmann, ehrenamtlicher Mitarbeiter, die von ihm betreuten letzen Sanierungsmaßnahmen des Kastellbades Würzberg vor.
Auf dem Rückweg zu den Bussen hatten die Mitarbeiter der IGO noch eine liebevolle Überraschung vorbereitet – ein grünes IGO-Ei, dass sie mit herzlichen Ostergrüßen jedem Exkursionsteilnehmer überreichten.
Trotz einiger Regenschauer absolvierten die Teilnehmer gelassen und geländegängig auch die Exkursionsziele des Nachmittags, und tatsächlich ließen einige bei einem „Glas guten Neckarweins vor der Heimreise“, wie es E. Schallmayer nach einem Ausflug zum Odenwaldlimes in seinem neuen Buch empfiehlt, die Tagung noch einmal Revue passieren.
E. Schallmayer, Der Odenwaldlimes – entlang der römischen Grenze zwischen Main und Neckar (Stuttgart 2010), ISBN 978-3-8062-2309-5, 19.90 Euro
Die Vorträge des Kolloquiums werden in der Reihe Saalburg-Schriften hrsg. vom Römerkastell Saalburg publiziert.
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22.03.2010
Neue Fakten über den Limesverlauf
Wissenschaft: Auch das Alter der Grenzanlage wird neu datiert -
Erstes Kolloquium zu diesem Thema in Michelstadt

In römischer Kleidung haben Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Lützelbach das wissenschaftliche Kolloquium in der Michelstädter Odenwaldhalle besucht. Foto: Manfred Giebenhain
Keine zweitausend Jahre ist es her, dass mitten durch Deutschland eine Grenze verlief, die das römische Reich von den östlich davon lebenden Germanen trennte: der obergermanisch-raetische Limes. Vom Streckenverlauf der Verteidigungslinie weicht auf rund 80 Kilometer ein älterer Grenzwall ab, der von Obernburg am Main bis Bad Wimpfen am Neckar den Odenwald durchtrennte. Über Jahrhunderte interessierte sich kaum jemand für die Spuren, die die Truppen von Kaiser Trajan in den Jahren nach 110 nach Christus hier hinterlassen haben. Erst mit den systematischen Ausgrabungen und Forschungen durch Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754 - 1823) setzte Ende des 18. Jahrhunderts ein Geschichtsbewusstsein ein, das vor etwa hundert Jahren durch die Reichs-Limeskommission komplettiert und dokumentiert wurde.
Auch mit der Entdeckung der Villa Haselburg bei Hummetroth im Jahr 1979 oder der erst vor wenigen Monaten lokalisierten Turmstelle WP 10/16 bei Vielbrunn dürften längst nicht alle Hinterlassenschaften vollständig erfasst sein, stimmten am Wochenende über 400 Forscher und Interessierte überein. Dank neuer Techniken lassen sich aber Fundstätten präziser und detaillierter lokalisieren und zerstörungsfrei erkunden, wusste der Landesarchäologe zu berichten. Im Fachjargon heißt die Methode Airborn Laserscanning, was sich in luftgestütztes Lasererfassen übersetzen lässt. ,,Mittels Laserscanaufnahmen konnte auch der genaue Verlauf des Limes auf längeren Strecken in der umgebenden Kulturlandschaft zwischen mittelalterlichen und neuzeitlichen Denkmälern nachgewiesen werden", ergänzte Eveline Grönke, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesamt für Denkmalpflege. So werfe der geradlinige Verlauf der Strecke südlich
von Schlossau (bei Mudau) die Frage auf, ob eine logistische oder strategische Veränderung in der Heeresführung dafür verantwortlich sei, stellte der Vorsitzende der Deutschen Limeskommission, Sebastian Sommer, vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, in den Raum. Seiner Ansicht nach ist das Bauwerk erst um das Jahr 164 nach Christus entstanden; Professor und Limes-Spezialist Egon Schallmeyer datiert den Odenwaldlimes auf das Jahr 155 - bislang wurde der Grenzwall mit der Jahreszahl 110 in Verbindung gebracht.
Das Buch zum Limes
Auch für den IGO-Vorsitzenden Horst Schnur sind mit dem derzeitigen Forschungsstand längst nicht alle Fragen beantwortet. Im Gegenteil: ,,Noch nie hat es eine derart große Veranstaltung zu einem historischen Thema im Odenwald gegeben." Der Odenwaldlimes mit seinen elf Kastellen und über 80 Wachtposten, der für etwa fünfzig Jahre die äußere Grenze des Römischen Reiches bildete, werde die Fachwelt und die Öffentlichkeit noch viele Jahre beschäftigen. Und mit jeder neuen Entdeckung nähere man sich dem Ziel, dass auch die ältere Limeslinie als Unesco-Weltkulturerbe eingetragen werde.
Eingeladen zum ersten wissenschaftlichen Kolloquium in der Odenwaldhalle über den Odenwaldlimes hatte die Interessen-gemeinschaft Odenwald (IGO) gemeinsam mit der Hessischen Landesarchäologie. Dem Höhepunkt, der Vorstellung der Neuauflage des Buchs ,,Der Odenwaldlimes" von Egon Schallmeyer, voraus gingen etwa ein Dutzend Fachvorträge von namhaften Kennern der Limesforschungen sowie eine Exkursion zu herausragenden Fundstellen.
Mit vereinten Kräften und finanzieller Beteiligung haben in den vergangenen Jahren das Landesamt für Denkmalpflege, für das Eveline Grönke anwesend war, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die angrenzenden Landkreise und viele Kommunen und Vereine ihre Anstrengungen vertieft und die Ergebnisse zusammengetragen. Hinzu kommen Fördermittel aus der Europäischen Union. Schallmeyers Veröffentlichung unterscheidet sich daher an vielen Stellen von der ersten Dokumentation von vor 25 Jahren.
„Der Odenwaldlimes – Entlang der römischen Grenze zwischen Main
und Neckar“ von Egon Schallmeyer ist erschienen im Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart, und kostet 19,90 Euro (erhältlich im Buch-handel ISBH 978-3-8062-2309-5). Auf 160 Seiten stellt der hessische Landesarchäologe mit farbigen Abbildungen, Skizzen und Karten die historischen Hintergründe, die Anlagen, Funde und den Forschungs-stand vor. Aufgeteilt in 14 Wanderstrecken geht der Autor auf alle Fundstellen näher ein.
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Neueste Forschungsergebnisse
Wissenschaftliches Kolloquium und Exkursion
19. und 20. März 2010 in der Odenwaldhalle, Erbacher Straße 33
in 64720 Michelstadt
In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Odenwaldkreis und der Stadt Michelstadt veranstaltet die Interessengemeinschaft Odenwald e.V. (IGO) ein zweitägiges Kolloquium mit anschließender Exkursion am 19. und 20. März 2010 in der Odenwaldhalle in Michelstadt.
Anmeldeschluss für die Veranstaltung ist der 12.03.2010.
Programm und Anmeldung (pdf-Datei 2 MB)
Einladungsschreiben
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Zahlreiche Informationen über den Odenwaldlimes, den Odenwald-Limesentwicklungsplan und die Limesbeschilderung erhalten Sie auf
der Internetseite des Landesamtes für Denkmalpflege
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Buchvorstellung „Der Odenwaldlimes“
am 19.03.2010
Während des wissenschaftlichen Kolloquiums in der Odenwaldhalle
in Michelstadt stellt Prof. Dr. Egon Schallmayer das neu verfasste Grundlagenwerk „Der Odenwaldlimes“ vor.

Egon Schallmayer
Der Odenwaldlimes
Entlang der römischen Grenze zwischen Main und Neckar
160 Seiten mit 219 meist farbigen Abbildungen, Skizzen und
Karten. Gebunden.
€ 19,90 [D] / € 20,50 [A] / SFR 34,50*
ISBN 978 3 8062 2309 5
Erscheint am 18. März 2010 im Konrad Theiss Verlag, Stuttgart.
* = UVP in der Schweiz
Einführung
Um 110 n. Chr. unter dem römischen Kaiser Trajan errichtet, sicherte der Odenwaldlimes nur knapp ein halbes Jahrhundert die römische Reichsgrenze in der Provinz Obergermanien. Die Überreste seiner zahlreichen Bauwerke gehören jedoch zu den am besten erhaltenen Limesdenkmälern, an denen Deutschlands reiche römische Vergangenheit eindrucksvoll zu erleben ist.
Auf 12 Streckenabschnitten begleitet uns der Ausflugsführer zu den zahlreichen Zeugnissen der antiken Epoche – Kastelle, Wachtürme
und Palisaden – entlang der rund 80 km langen Strecke zwischen Obernburg und Bad Wimpfen. Sie führen durch von Geologie und Landschaftsgeschichte geformte Talgründe und Bergeshöhen, die
jene erd- und kulturgeschichtlichen Vorgänge erkennen lassen,
welche zur Ausformung des überaus reizvollen Mittelgebirgspano-
ramas und der heutigen Kulturlandschaft geführt haben.
Gleichzeitig erhält der Leser auf der Grundlage neuester Forschungs-ergebnisse einen profunden Überblick über die Geschichte jenes Grenzabschnitts, der als Vorläufer des Obergermanisch-Rätischen
Limes gilt. Karten zum Limesverlauf sowie Hinweise zu Anfahrt, Parkmöglichkeiten und Museen runden den Band ab.
Professor Dr. Egon Schallmayer ist Landesarchäologe von Hessen, Direktor des Saalburgmuseums bei Bad Homburg und Honorarprofessor an der Universität zu Köln. Als ausgewiesener Experte für die Geschichte des römischen Limes in Deutschland befasst er sich seit mehr als 25 Jahren mit dem Odenwaldlimes.
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Odenwälder Echo vom 13.01.2010
Eine große Schau für den Odenwaldlimes
Kulturgut: Kolloquium mit hochrangigen Wissenschaftlern soll Bevölkerung für römisches Flächendenkmal begeistern

Anschaulich machen wollen Politik, Archäologie, Geschichtskunde und Heimatforschung den Odenwaldlimes. Als Beispiel dafür steht schon seit geraumer Zeit ein Palisadenstück in der Gemarkung Vogelbaumhecken unweit des Sträßleins von Würzberg nach Hesselbach, das zwei aufgemauerte Wachturmreste ergänzt. Archivfoto: Guido Schiek
Ihre wiedererwachte Aufmerksamkeit für den Odenwaldlimes wollen Politik, Archäologie, Geschichtskunde und Heimatforschung zunehmend auf die Bevölkerung übertragen. Schaffen wollen sie damit ein Bewusstsein für die historische Bedeutung der Relikte des römischen Grenzwalls, aber auch für deren direkten Anschauungs- und Erlebniswert. In diesem Sinne ergänzen Land, Kreis und Anrainer-Kommunen die laufenden Arbeiten zur Herrichtung und Präsentation
der antiken Zeugnisse in diesem Jahr um eine groß angelegte öffentliche Vorstellung dieses Kulturguts.
Wie die Odenwald-Regionalgesellschaft (Oreg) als Trägerin des entsprechenden Projekts nun publik gemacht hat, ist das dafür gedachte Kolloquium gesichert. Mit der Odenwaldhalle in Michelstadt
als zentralem Anlaufpunkt wird es am 19. und 20. März (Freitag und Samstag) bis zu ein Dutzend hochrangige Kenner der römisch-germanischen Geschichte und der alten Grenze zusammenführen. ,,Dabei sollen die Fachleute keineswegs unter sich bleiben", fügte Organisator Thomas Disser auf Nachfrage hinzu. Vielmehr wende sich ihre geballte Präsenz gerade an die Allgemeinheit und hier insbesondere an die Odenwälder Bürger.
Vor allem die öffentlichen Stellen sowie die Dachorganisationen von Gastronomie und Beherbergungsbranche bewegt dabei das touristische Potenzial der römischen Zeugnisse. Und wie sie wissen, setzt dessen Erschließung die Begeisterung der Einwohner im Nahbereich voraus: ,,Wenn die Menschen hier den Limes schätzen, sich mit ihm identifizieren und ihn als Ausflugsziel annehmen, dann bringt uns das schon ein bedeutendes Stück weiter", sagt Disser, der nichtsdestotrotz auch auf Zuspruch von außerhalb, namentlich auf Medienaufmerksamkeit, hofft.
Am Vortrags- und Präsentationsprogramm rund um den Limes sollen rund 200 Gäste teilhaben können; ein noch zu eröffnendes Anmeldesystem soll regeln, wer dabei sein kann. Die Obergrenze
erklärt sich zwar auch aus dem Streben nach Konzentration bei den Ausführungen in der Odenwaldhalle; geschuldet ist sie aber vor
allem dem praktischen Teil, der in einer eintägigen Exkursion zu verschiedenen attraktiven Limes-Teilabschnitten besteht. Dazu befördert die Oreg die Teilnehmer mit Bussen auf den Höhenzug zwischen Mümling, Main und Mud, um sie dort unter fachkundiger Führung mit den Fundstellen und deren Aufbereitung vertraut zu machen.
Wie umfassend dargestellt, steckt die öffentliche Hand in einem aktuellen Programm etwa eine Million Euro in Restaurierung, erweiterte Erforschung und kulturtouristische Erschließung des Odenwaldlimes. Zumindest teilweise ausgleichen wollen Land, Kreis und Kommunen damit den Ansehens-Nachteil, der diesem archäologischen Gut durch eine Entscheidung der Unesco entstanden ist. Die nämlich hat 2005 allein die östliche der beiden römisch-germanischen Grenzlinien als Weltkulturerbe anerkannt und so zur Berühmtheit geführt. Entgegen halten wollen dem die Anrainer der westlichen Variante nun die besondere Unberührtheit und Anschaulichkeit ihrer Relikte, die sich aus dem weitgehenden Verlauf in Wald- und Wiesengebieten jenseits neueren Siedlungsraums ergibt.
Die einzelnen Kleinode der Grenzlinie sollen dabei im Kolloquium ebenso zum ihrem Recht kommen wie die Gesamtanlage und deren historische Funktion - jeweils gewährleistet durch Vertreter der entsprechenden historischen und baukundlichen Fachrichtungen. Wesentlichen Raum werden zudem die Methoden der Erforschung und Restaurierung einnehmen, die eine ebenso schonende und geschichtstreue wie plastische Herausarbeitung des antiken Flächendenkmals ermöglichen sollen. ,,Dabei wird unsere Vorträge-Kombination weit über den Tag hinaus wirken", ist sich Koordinator Disser sicher. Diese Gewissheit bezieht er dabei vor allem aus einer Veröffentlichung, die in Zusammenhang mit der Veranstaltung verwirklicht werden soll.
,,Hessens Landesarchäologe Egon Schallmayer, den man getrost als Limes-Papst bezeichnen darf, hat die Neubearbeitung seines Standardwerks über den Odenwaldlimes abgeschlossen", verrät der Oreg-Mitarbeiter. ,,Wir werden dieses bemerkenswerte Buch während des Kolloquiums vorstellen." Wie Disser betont, ist die klassische Ausgabe mit dieser Neuauflage nicht mehr vergleichbar: Der nun geschaffene Band warte über eine Aktualisierung der Erkenntnisse hinaus vor allem mit einer modernen Präsentation auf.
Mit Spannung erwarten Veranstalter und potenzielle Gäste aber nicht nur diese Arbeit, sondern auch die weitere Konkretisierung eines einzigartigen Vorhabens: Siegbert Huther, Architekt der deutsche Limeskommission, wird die geplante Rekonstruktion eines römischen Holzwachturms mit musealer Ausstattung auf der Höhe bei Vielbrunn erläutern. ,,So wird der Odenwaldlimes für die kulturelle und
touristische Entwicklung des Odenwalds immer wichtiger", fasst
Thomas Disser die in die Veranstaltung einfließende Tendenz zusammen.
In der Odenwaldhalle und auf der HöheMichelstadt. Zur Präsentation rund um den Odenwaldlimes lädt die Oreg im Namen von EU, Land Hessen, Odenwaldkreis und Stadt Michelstadt für den 19. und 20. März ein.
Der Veranstaltungs-Freitag ist für den Vortragsteil in der Michelstädter Odenwaldhalle gedacht, der um 10 Uhr beginnt. Der Erkundung vor Ort ist dann der Samstag gewidmet; zur Anfahrt mit dem Bus treffen sich Teilnehmer und Wissenschaftler um 8.30 Uhr wiederum an der Odenwaldhalle. Sobald Anmeldungen möglich sind, will die Oreg die Bedingungen dafür veröffentlichen. Einher gehen soll das mit einer Internetpräsenz: www.region-odenwald.de.
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Odenwaldregional vom 08.01.2010
IGO l ädt die führenden deutschen Limes-Experten in den Odenwald ein
Seit der Anerkennung der Endausbaustufe des Limes in Deutschland als Weltkulturerbestätte der UNESCO hat sich auch am Odenwaldlimes einiges getan. Dieser frühe Limes-Abschnitt zwischen Wörth und Bad Wimpfen repräsentiert die frühe Bauphase der römischen Grenzbefestigung. Der weitere Ausbau wurde bereits 155 n.Chr. eingestellt, als die Grenze etwa 30 km nach Osten verlegt wurde – wahrscheinlich aus strategischen Gründen.
Noch immer findet man entlang des knapp 80 Kilometer langen Odenwaldlimes eine Vielzahl von Überbleibseln der alten Grenzbefestigung und der damit verbundenen zivilen Einrichtungen, z.B. das Römerbad bei Michelstadt-Würzberg. Landkreise, Kommunen und nicht zuletzt eine Vielzahl örtlicher Gruppierungen haben enorme Anstrengungen auf sich genommen, um die Besucher der Region über diesen frühen Limesabschnitt zu informieren. Heimatforscher und Bildungseinrichtungen erläutern in Veranstaltungen, Führungen und Veröffentlichungen die Besonderheiten des Odenwaldlimes und berichten über die Zeit, in der die Römer im Odenwald lebten. Und auch die universitäre Limesforschung sorgt immer wieder für neue, beeindruckende Grabungsergebnisse und wissenschaftliche Erkenntnisse. So wird der Odenwaldlimes für die kulturelle und touristische Entwicklung des Odenwaldes immer wichtiger.
In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Denkmalpflege hat es die Interessengemeinschaft Odenwald e.V. (IGO) deshalb übernommen, in einer zweitägigen Fach-Konferenz mit anschließender Exkursion am 19. und 20. März 2010 in der Odenwaldhalle in Michelstadt den brandaktuellen Forschungsstand zum Odenwaldlimes zusammen zu tragen. Auch wenn der Odenwaldlimes nicht zu den von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannten Teilen des germanischen Limes gehört, hoffen die IGO und ihre Unterstützer, durch die Veranstaltung die Aufmerksamkeit für diesen bedeutenden und deutlich älteren Teil des Limes in der Fachwelt und bei der Bevölkerung weiter zu erhöhen. Immerhin haben nahezu alle führenden deutschen Limes-Experten ihre Beiträge bereits zugesagt.
Als besonderer Höhepunkt soll bei der Konferenz die Neuauflage des Standardwerkes „Der Odenwaldlimes“ von Professor Egon Schallmayer, des hessischen Landesarchäologen, vorgestellt werden. Am zweiten Tag erklären Archäologie- und Denkmalexperten die sichtbaren Reste von Kastellen und Wachttürmen entlang des Odenwaldlimes vor Ort. Darüber hinaus referiert Herr Huther, Architekt der deutschen Limeskommission, über die geplante Rekonstruktion eines römischen Holzwachtturmes mit musealer Ausstattung auf der Vielbrunner Höhe.
Im Rahmen der Veranstaltung sollen auch die örtlichen Limes-Vereinigungen die Gelegenheit erhalten, ihre Arbeit zu präsentieren. Zusätzlich zu der IGO-Konferenz plant auch die Volkshochschule Odenwald in dieser Zeit zusätzliche Bildungsveranstaltungen zum Thema „Römer“.
Unterstützt wird die Veranstaltung insbesondere durch das LEADER-Programm der Europäischen Union, das Land Hessen, den Odenwaldkreis und die Stadt Michelstadt. Weitere Informationen zu
der Veranstaltung wird es zeitnah auf der Internet-Seite
www.region-odenwald.de geben. |