Fünf Projekte, jede Menge Inspiration und ein Tag voller Macher-Geschichten
Was passiert, wenn man die eigene Region für einen Tag hinter sich lässt? Man gewinnt Abstand – und gleichzeitig neue Perspektiven auf das, was Regionalentwicklung ausmacht: Menschen mit Ideen, Orte mit Geschichte und Projekte, die zeigen, was entstehen kann, wenn aus einer guten Idee gemeinsames Handeln wird.
Unter dem Motto „Raus aus der Bubble: Der Regions-Roadtrip“ machte sich die Interessengemeinschaft Odenwald e.V. (IGO) am 20. August 2026 auf den Weg in die benachbarte LAG Neckartal-Odenwald-Aktiv. Ziel war es, über den eigenen Tellerrand zu schauen, spannende Best-Practice-Projekte kennenzulernen und neue Impulse für die eigene Regionalentwicklung mitzunehmen.
Raus aus dem Sitzungsraum, rein in die Praxis
Statt Präsentationen im Sitzungssaal standen an diesem Tag Begegnungen vor Ort auf dem Programm. Denn erfolgreiche Regionalentwicklung lässt sich nicht nur auf Papier erklären – sie wird dort sichtbar, wo Menschen ihre Ideen umsetzen und damit konkrete Angebote für ihre Region schaffen.
Von Mosbach über Schwarzach und Eberbach zurück in den Odenwald führte die Tour zu fünf ganz unterschiedlichen Projekten. Der Ablauf verband dabei Projekte aus der Nachbarregion mit Beispielen aus der eigenen Region.
Und genau dieser Perspektivwechsel war der Kern des Roadtrips: Nicht kopieren, sondern verstehen. Nicht vergleichen, sondern voneinander lernen.
Fünf Projekte, ein Tag voller Inspiration
Von sportlicher Freizeitgestaltung über Naturerlebnis und Kultur bis hin zu sozialer Teilhabe und regionalem Unternehmertum: Die fünf Stationen zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig LEADER-Projekte sein können.


Flowtrail Mosbach – Bewegung mit Weitblick
Den Auftakt machte der Flowtrail des TV 1846 Mosbach e.V. Drei Abfahrtsstrecken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und eine Auffahrtsstrecke erweitern das Sport- und Freizeitangebot und schaffen gleichzeitig neue touristische Anreize für Mosbach und die Region.
Wildpark Schwarzach – Natur erleben, Gemeinschaft stärken
Im Wildpark Schwarzach ging es um mehr als Tiere und Natur: Eine große Markise schafft einen wettergeschützten Aufenthaltsort, der zugleich als „grünes Klassenzimmer“ für Schulen und Kindergärten genutzt werden kann. Ergänzt wird das Angebot durch E-Bike-Ladestationen sowie weitere Infrastruktur, die den Wildpark als Ausflugs- und Veranstaltungsort stärkt.



Kulturzentrum Depot 15/7 – Aus einer Lagerhalle wird ein kultureller Treffpunkt
Wie aus einer leerstehenden Lagerhalle ein lebendiger Ort für die ganze Stadt werden kann, zeigt das Kulturzentrum Depot 15/7 in Eberbach. Das Kulturzentrum bringt Musikerinnen und Musiker, Künstlerinnen und Künstler sowie engagierte Menschen zusammen und stellt Kultur, Begegnung und Lebensqualität in den Mittelpunkt.

Skate-Aid Odenwald – Mit Skateboards soziale Kompetenzen stärken
Zurück im Odenwald wartete mit Skate-Aid Odenwald e.V. ein Projekt, bei dem Sport zum Werkzeug für soziale Teilhabe wird. Mit mobilen Skateboards, Schutzausrüstung und Rampen kann das Angebot in verschiedene Kommunen des Odenwaldkreises gebracht werden; Kinder und Jugendliche mit AD(H)S-Diagnose können dabei nicht nur Skateboard fahren, sondern unter Anleitung auch Impulskontrolle, Frustration und Verhalten in der Gruppe trainieren.

Odenwälder Eismädchen – Regionales Unternehmertum auf Rädern
Den genussvollen Abschluss bildeten die Odenwälder Eismädchen aus Lützelbach. Mit einem mobilen Eiswagen, der Ausstattung einer eigenen Eisküche und begleitenden Marketingmaßnahmen wurde die Grundlage für ein mobiles, regionales Eisangebot geschaffen – ein schönes Beispiel dafür, wie LEADER auch unternehmerische Ideen im ländlichen Raum unterstützen kann.

Was diese Projekte verbindet
So unterschiedlich die Projekte auf den ersten Blick sind, eines haben sie gemeinsam: Sie machen aus Ideen konkrete Angebote für Menschen vor Ort.
Genau darin liegt die Stärke von LEADER. Der Bottom-up-Ansatz ermöglicht es, dass Ideen aus der Region heraus entstehen und mit Unterstützung von Fördermitteln Wirklichkeit werden können. Dabei geht es nicht um Projekte von der Stange, sondern um Lösungen, die zu den jeweiligen Orten und ihren Menschen passen.
Der Roadtrip machte diese Vielfalt unmittelbar erlebbar. Er zeigte, dass Regionalentwicklung ganz unterschiedliche Gesichter haben kann: Sie kann auf zwei Rädern stattfinden, mitten im Wildpark, in einer ehemaligen Lagerhalle, auf mobilen Skate-Rampen oder aus einem Eiswagen heraus.
Best Practice heißt nicht Nachmachen
Der besondere Wert einer solchen Exkursion liegt deshalb nicht darin, ein erfolgreiches Projekt einfach zu kopieren. Viel spannender sind die Fragen dahinter:
Was hat diese Idee möglich gemacht? Was können wir daraus lernen? Und welche Gedanken lassen sich auf die eigene Region übertragen?
Genau dafür schafft der Austausch zwischen LEADER-Regionen einen wichtigen Raum. Die Nachbarregion wird zum Ideengeber, während gleichzeitig der Blick auf die eigenen Projekte geschärft wird.
Denn Inspiration entsteht selten am Schreibtisch allein. Sie entsteht im Gespräch, beim Blick hinter die Kulissen, beim gemeinsamen Nachdenken – und manchmal auch bei dem Gedanken: „Das könnte bei uns auch funktionieren – nur eben anders.“
Regionalentwicklung lebt vom Rausgehen
Nach rund acht Stunden und fünf Projektstationen endete der Regions-Roadtrip wieder in Michelstadt.

Geblieben sind neue Eindrücke, Perspektiven und hoffentlich die eine oder andere Idee, die noch ein Stück weitergedacht wird. Denn wer die eigene Bubble verlässt, entdeckt neue Möglichkeiten. Wer mit anderen ins Gespräch kommt, bekommt neue Impulse. Und wer gute Beispiele nicht nur anschaut, sondern ihre Entstehung versteht, nimmt mehr mit als schöne Eindrücke.
Der Regions-Roadtrip war damit vor allem eines: ein Tag zum Rauskommen, Hinschauen, Austauschen und Weiterdenken.
Oder, um es mit dem Motto der Exkursion zu sagen:
Raus aus der Bubble. Rein in die Inspiration.